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Exzerpt: Die Geschichte des Teufels
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Erstes Kapitel: Die Kindheit des Teufels 1. Seine Geburt Geschrieben steht: Im Anfang schuf der Herr den Himmel und die Erde. In diesem Satz ist jedes einzelne Wort ein Geheimnis. Wir wollen unseren Geist nicht mit den Begriffen des Herrn und des Schaffens belasten. Der Herr ist eigentlich nicht ein Begriff, er übersteigt unser Fassungsvermögen und weist aus den Gebieten des Fassens in die Gefilde des Glaubens. Das Schaffen wirft Probleme auf, die mit Ethik und mit Ästhetik zusammenhängen. Uns scheint, als könnten wir uns ihm nur als Künstler oder Heilige nähern. Wir wollen darum diesen ganzen Komplex hier noch beiseite lassen. Außerdem schließt das Schaffen in dieser Verbindung noch das Problem "ex nihilo nihil" ein, und als moderne Menschen sind wir nicht geneigt, diese mittelalterliche Frage von neuem anzuschneiden. Was übrigbleibt vom oben erwähnten Satz, nämlich der Anfang, der Himmel und die Erde, das sind Begriffe, die uns schon zur Genüge verwirren. Wenn wir versuchen, uns vor Augen zu führen, was sie besagen, so sind wir zum ersten überrascht, mit welcher naiven Selbstverständlichkeit wir gewohnt sind, sie hinzunehmen, zum zweiten aber, wie der gesamte gigantische Kommentar der Wissenschaftler und Philosophen im Laufe der Jahrtausende nichts an der Einfachheit und dem Geheimnis des ersten Bibelsatzes zu ändern vermochte. Zwar haben unsere Weisen den Anfang immer tiefer geschoben in den gähnenden Schlund der Zeiten; zwar haben sie den Himmel zu schier unvorstellbaren Dimensionen auseinandergezerrt und gebogen; zwar haben sie die Erde mundgerecht abgerundet, an verschiedenen Stellen angebohrt und sind im Begriff, sie prekär zu verlassen, aber Anfang ist Anfang geblieben, und Himmel Himmel, und auch die Urmutter Erde birgt uns noch immer in ihrem nährenden Schoß wie am ersten Tag der Schöpfung. Seit eh und je hat etwas die Menschen verleitet, die drei Grenzen des ersten Bibelsatzes zu brechen oder zumindest auseinanderzuzerren. Seit eh und je haben sich Menschen bemüht, hinter den Anfang zu sehen, den Himmel mit unseren Werkzeugen oder zumindest mit unserem Geist zu erobern und sich von der Erde im wahren oder zumindest im übertragenen Sinn des Wortes zu lösen. Diese Bemühungen werden wir in den Kapiteln des Zornes und der Hoffart betrachten. Nie hat sich der Teufel abgefunden mit diesen drei Fesseln der Schöpfung. Ob ihm mit unserer Hilfe gelingen wird, sie einmal in fernster Zukunft zu lösen, das ist nicht nur unserer Kenntnis, sondern auch unserer Fantasie verschleiert. Eine unbegrenzte, unendliche und ewige Welt übersteigt unser Vorstellungsvermögen. In seiner bisherigen Laufbahn ist es dem Teufel gelungen, die Fesseln etwas zu lockern. Doch drängt der menschliche Geist den weichenden Grenzen nach wie ein sich ausdehnendes Gas und fühlt sich gefesselt wie immer. Allerdings müssen wir das eben Gesagte etwas modifizieren. Wenn wir sagten, daß eine unendliche und ewige Welt unvorstellbar sei, dann müssen wir gleich hinzufügen, daß eine zeitlich und räumlich gebundene sich mindestens ebenso wehrt, vorgestellt zu werden. Bei der unendlichen Welt fragt der Geist nach ihren Grenzen, bei der endlichen nach dem Jenseits der Grenzen. Wenn unsere Weisen uns lehren, daß die "Welt" zeitlich und räumlich begrenzt sei, dann verstehen wir ebensowenig, was sie damit meinen, wie wenn unsere Religionslehrer behaupten, sie sei ewig und unendlich. Wenn also der Mensch bemüht ist, die Fesseln der Welt zu brechen, dann ist das nichts als ein Versuch, aus einer unvorstellbaren Welt in eine andere zu flüchten, also eine Unwirklichkeit gegen eine andere zu tauschen. Von diesem Standpunkt gesehen, verliert das faustische Drängen des forschenden Geistes etwas von seinem Glanz. Es ist darum nur selbstverständlich, daß wir vernünftigerweise von unseren Weisen nicht erwarten können, sie mögen uns näher über den ersten Bibelsatz belehren. Gleichgültig, was sie in dieser Sache behaupten, sie bleiben uns immer gleich unverständlich, und das naive Hinnehmen des ersten Satzes scheint uns aufgezwungen. |
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